Die Zeit bestimmt unser Leben. Arbeit, Ausbildung und ein soziales Leben binden uns an die Uhr. Wir müssen zu festen Zeiten aufstehen, um rechtzeitig zur Arbeit, Schule oder Uni zu gelangen. Wir müssen Pausenzeiten einhalten, uns nach den Fahrtzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel richten, Termine bei Ämtern, Ärzten, Steuerberatern und Co. wahrnehmen und natürlich rechtzeitig zu den Verabredungen mit Freunden erscheinen. Hinzu kommen Feierlichkeiten, Fernsehsendungen, Geschäftstermine und eine ganze Latte von weiteren Aktivitäten und Ereignissen, die terminiert sind.

Mit der Moderne und der großen Zunahme an Möglichkeiten stieg auch die Bedeutung der Uhr. Sie ist unser ständiger Begleiter. Sie liefert uns einen Bezugspunkt, damit wir erkennen, an welcher Stelle im zeitlichen Ablauf wir uns gerade befinden und was als nächstes ansteht.

Wann warst Du das letzte Mal gänzlich ohne Uhr unterwegs? Wie viele Stunden hintereinander hast Du es geschafft dich nicht zu fragen, wie spät es gerade ist?  Länger als die 6-8 Stunden, die Du in der Nacht schläfst?

Gefangen im Terminkalender

Sind wir mal ehrlich, die meisten von uns halten es keinen Tag ohne Uhr aus. Die Verpflichtungen des Alltags haben die Frage nach der Zeit und den Blick auf die Uhr zum Automatismus werden lassen. Wo wir auch sind, überall befinden sich Uhren. An Bahnhöfen, Zeitungsläden, am Handgelenk, auf dem Handybildschirm, in der Ecke des Computerbildschirms. Die Zeit ist immer in unserer Nähe, schließlich gibt es viel zu organisieren. Der moderne Alltag, das Arbeits- und Sozialleben erfordern einen zeitlichen Rahmen. Das führt dazu, dass auch unser restliches Leben nach der Uhr verläuft.

Viele Menschen essen nicht, weil sie hungrig sind. Stattdessen schauen sie zuerst auf die Uhr und siehe da: Schon 13 Uhr? Höchste Zeit etwas zu essen. Die Essenszeiten sind in der Regel durch den Job vorgeben und werden normalerweise auch an freien Tagen übernommen. Wenn man an 5 von 7 Tagen in der Woche zu bestimmten Zeiten essen muss, ist es schwer sich am Wochenende von diesem Muster zu befreien.

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Das gilt nicht nur für gänzlich freie Tage, sondern auch für die Zeit nach der Arbeit. Schon 8 Uhr abends? Jetzt muss ich aber schnell noch etwas essen, denn in spätestens zwei Stunden muss ich schon wieder ins Bett, um ausreichend Schlaf zu bekommen.

Wie viel Zeit habe ich noch? Diese Frage ist eigentlich unser ständiger Begleiter. Die Vielzahl an Terminen und Verpflichtungen, die zum Beruf noch hinzukommen, vergrößern dieses Problem. Egal wo wir sind, egal was wir tun, fast immer müssen wir die Uhr im Auge behalten. Die unterbewusste Furcht, einen wichtigen Termin oder irgendetwas anderes zu verpassen, sorgt dafür, dass wir auch dann schon fast zwanghaft die Uhr im Blick behalten müssen, wenn eigentlich gar nichts mehr ansteht. Wir sind gefangen im Terminkalender!

Warum die ständige Präsenz der Zeit problematisch werden kann

Unsere Gedanken können sich durch das mittlerweile stark ausgeprägte Zeitbewusstsein nie ganz auf die Gegenwart fokussieren. Sie werden automatisch immer auch in die Zukunft gelenkt. Dadurch gehen Freude und Leidenschaft verloren!

Erinnerst Du dich an jene Momente, in denen Du wirklich glücklich und erfüllt warst? Als es keine Probleme und Sorgen gab? Als dich die pure Lebensfreunde durchströmt hat? Was hat diese Momente ausgemacht? Warum waren sie so einzigartig, so fesselnd und voller Leben? Unter welchen Bedingungen kam es zu solchen Momenten?

Du hast die Zeit vergessen! Bist vollkommen aufgegangen in der aktuellen Tätigkeit, warst mit den Gedanken einfach im Hier und Jetzt. Du hattest keinen Termindruck, keine Verpflichtungen und Probleme im Hinterkopf.

Die Challenge

Die Lehre daraus ist recht simpel. Wir müssen uns aus dem Termin-Hamsterrad befreien  und gelegentlich die Uhr einfach stecken lassen. Klar ist, dass die Uhr und das Konstrukt der Zeit einen praktischen Zweck erfüllen und über weite Strecken des Alltags für die meisten Menschen schlicht nicht wegzudenken sind. Umso wichtiger ist es diesen Alltag hin und wieder zu verlassen! Der Gewohnheit den Rücken zu kehren und sich zu befreien vom ewig andauernden Kampf mit der niemals still stehenden Zeit. Tiefgreifende, erfüllende Freude findet ein Mensch im Flow, einem Zustand, der durch vollständiges Aufgehen in der gegenwärtigen Situation und Tätigkeit gekennzeichnet ist. Der Fluss der Zeit zieht deine Gedanken in die Zukunft. Deswegen musst Du dich gelegentlich vom Zeitbewusstsein befreien, um neue Kraft, Energie, Motivation und Freude zu schöpfen.

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Deswegen fordere ich Dich heraus. Versuche in den nächsten 4 Wochen den Blick auf die Uhr so gut es geht zu vermeiden. Nimm keine unnötigen Termine an. Vergiss deine To-Do-Liste. Wenn es im Alltag aus beruflichen oder sonstigen Gründen nicht möglich sein sollte, gänzlich auf Uhren und Co. zu verzichten, kannst Du dich zumindest am Wochenende gänzlich davon befreien. Leg die Armbanduhr ab, deaktiviere die Uhrzeit auf dem Computer- und Smartphonebildschirm und tue einfach, was Du tun willst, ohne dabei über die Zeit nachzudenken. Fragen wie „Wie lange dauert das noch?“, „Wann kann ich endlich…?“, „Geht das nicht schneller?“,  „Was könnte ich in der Zeit noch alles tun?“ sind zu vermeiden. Nimm den Schwung raus, entschleunige dein Leben und genieße die Freiheit.

Wenn Du dich mit Freunden verabreden möchtest, kannst Du auf deinem Handy den Wecker so stellen, dass er rechtzeitig vorher klingelt und Du weißt „Aha, jetzt muss ich mich fertig machen“. Der Wecker sorgt dafür, dass Du dir im Vorfeld nicht permanent Gedanken darüber machen musst, wie spät es ist.

Um die Muster des Alltags zu überwinden ist es hilfreich, an freien Tagen Neues zu unternehmen. Ausflüge an Orten, die Du bisher noch nicht gesehen hast. Sportarten, die Du noch nicht probiert hast. Restaurants, die Du bisher nicht kanntest. Verlasse den Alltag und damit auch den Zeitdruck.

Was spricht dagegen?

Möglicherweise sind dir soeben eine ganze Reihe von Gründen eingefallen, warum Du nicht auf die Uhr verzichten kannst. Die spannende Frage allerdings lautet: Hast Du nach Gründen die dafür oder die dagegen sprechen gesucht? Hast Du nach Problemen oder Lösungen gesucht? Es gibt einiges, das dafür spricht, sich ab und an vom Zeitdruck zu befreien. Du kannst dadurch zufriedener und glücklicher, ausgeglichener und ruhiger, gesünder und gedanklich klarer werden. Aber entscheidend ist, dass Du nach Wegen und Möglichkeiten der Umsetzung suchst und nicht nach Problemen. Der Fokus auf Probleme raubt dir die Handlungskraft!

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Wie kann eine dauerhafte Lösung aussehen?

Klar ist, dass in der heutigen Zeit ein Leben ohne Uhr für die allermeisten Menschen nahezu unmöglich ist. Aber die Uhr selbst ist auch nicht das Problem. Wie gesagt, sie hat ihren praktischen Nutzen. Das Problem ist, dass viele Menschen schon beinahe süchtig sind und sich vom Zeitbewusstsein nicht losmachen können – und sich dessen häufig nicht einmal bewusst sind. Je stressiger unser Leben ist, je mehr Termine, Verpflichtungen und Aufgaben wir haben, desto wichtiger ist es von Zeit zu Zeit eine Auszeit zu nehmen. Urlaube und Wochenenden bieten sich dafür an. Gönn dir eine Pause von der enormen Geschwindigkeit des Alltags und genieße das Leben. Mehr als dieses eine Leben wirst Du aller Voraussicht nach nicht haben, daher musst Du es nicht mit größtmöglicher Geschwindigkeit zu Ende bringen. Nimm gelegentlich das Tempo raus und konzentriere dich auf die Gegenwart statt gedanklich stets schon einen Schritt weiter zu sein. Ansonsten verpasst Du vielleicht das Leben und all seine Geschenke, seine Wunder und Möglichkeiten, seine Abenteuer und Mysterien.

(Bildquelle: Lupo  / pixelio.de)