Du spielst mit dem Gedanken, deine Leidenschaft für Ernährung zum Beruf zu machen? Dann wirst du früher oder später wahrscheinlich darüber nachdenken, dich als Ernährungsberater zertifizieren zu lassen. Doch wie sinnvoll ist diese Weiterbildung? Wie wertvoll ist das erlernte Wissen? Bereitet ein solcher Lehrgang wirklich auf den Beruf vor, vermittelt er solide Grundlagen oder kann man sich ihn im Grunde sparen?

In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen mit dem Fernlehrgang zum Ernährungsberater der Akademie für Sport und Gesundheit mit dir. Weil ich schon seit Jahren als Personal Trainer und Ernährungsberater gearbeitet habe, kann ich direkt bewerten, wie sinnvoll und praxisrelevant die Inhalte der Ausbildung wirklich sind. 

Ausbildung zum Ernährungsberater – Notwendig, hilfreich oder überflüssig?

Vielleicht fragst du dich: Brauche ich überhaupt eine Ausbildung zum Ernährungsberater oder kann ich mir das Wissen auch selbst aneignen?

Denn diejenigen, die Interesse am Beruf des Ernährungsberaters zeigen, haben in der Regel schon Grundwissen selbstständig erworben.

Sich selbst allerdings gesund zu ernähren oder anderen dabei zu helfen, das sind durchaus zwei verschiedene Paar Schuhe.

Als Ernährungsberater muss man Verantwortung für Wohlergehen und Fortschritt seiner Klienten übernehmen und das bedeutet, man braucht vor allem das Selbstvertrauen, wirklich dazu in der Lage zu sein, eine Ernährungsintervention durchzuführen. Dieses Selbstvertrauen bekommt man nur durch ein solides und breites Wissen, Verständnis und natürlich Erfahrung.

Eine Ausbildung kann dabei helfen, die nötige Selbstsicherheit zu gewinnen, weil das schon vorhandene Wissen reflektiert und bestätigt oder ergänzt wird.

Zugleich ist eine Ausbildung hilfreich, um das Vertrauen neuer Klienten zu gewinnen. Denn klar ist, dass jede Form von Coaching grundsätzlich auf Vertrauen basiert – dein Klient muss sich bei dir gut aufgehoben fühlen und die Gewissheit bekommen, dass du der richtige Coach bist, um seine Probleme zu lösen. Da ist es nützlich, wenn man eine Ausbildung mit entsprechendem Zertifikat vorzuweisen hat.

Ernährungsberater ohne Ausbildung – auch das funktioniert

Notwendig ist eine Ausbildung allerdings nicht und ich selbst bin der beste Beweis dafür. Ich habe schon lange gecoacht und Ernährungspläne erstellt bevor ich das Zertifikat zum Ernährungsberater erworben habe.

Bei mir ist das sozusagen natural gewachsen. Über Jahre habe ich mich thematisch intensiv mit Fitness und Ernährung befasst und selbst damit experimentiert, noch ehe ich überhaupt daran gedacht hatte, mein Wissen weiterzugeben. Es war nie mein Ziel, Trainer und Berater zu werden, sondern einfach nur mein Interesse und meine Leidenschaft.

Irgendwann fangen dann Leute im Umfeld an Fragen zu stellen, wie man trainiert, wie man sich ernährt. Also steht man Rede und Antwort, stellt sich kritischen Fragen und fängt an, Trainingspläne und Ernährungstipps an Familie, Freunde und Bekannte zu geben.

Erst dann habe ich realisiert, dass dies mein Traumberuf ist, und angefangen, mich dafür bezahlen zu lassen. So bin ich über Jahre hineingewachsen. Es war ein längerer Weg, aber er hat funktioniert.

Daher kann ich bestätigen, dass eine Ausbildung zum Ernährungsberater oder Personal Trainer nicht zwangsläufig notwendig ist, um den Beruf auszuführen.

Meiner Einschätzung nach kommt es in erster Linie darauf an, wie sicher du dich in deinem momentanem Wissens- und Verständnisstand fühlst. Die Ausbildung zum Ernährungsberater ist hilfreich, aber nicht notwendig. Da man sie aber als Fernlehrgang zu Zuhause aus nebenbei absolvieren kann, ist sie für Anfänger-Trainer definitiv empfehlenswert. Die Vorteile stehen für mich in einem günstigen Verhältnis zu den Kosten.

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So läuft der Fernlehrgang zum Ernährungsrater ab

Wichtig zunächst: Der Fernlehrgang findet tatsächlich ausschließlich online statt.

Die Inhalte werden sowohl per Videos als auch mittels begleitender Lehrbriefe (PDFs) vermittelt. Beide Formate haben im Kern die gleichen Inhalte, nur dass die Lehrbriefe teilweise noch etwas mehr ins Detail gehen.

Der ideale Weg sieht daher für die Meisten so aus, dass man sich bequem in der Freizeit die Videos anschaut und anschließend nochmal die Lehrbriefe durchgeht. Dadurch wird das Wissen besser gespeichert und verfestigt.

Der inhaltliche Aufbau

Der Kurs beinhaltet elf Lektionen. Es beginnt mit den theoretischen Grundlagen. Dabei werden die Energiesysteme des Körpers erläutert, Makro- und Mikronährstoffe und ihre Eigenschaften sowie der Flüssigkeitshaushalt besprochen.

Der Hauptteil besteht aus der eigentlichen Ernährungsberatung. Dabei geht es in erster Linie um smarte Zielsetzungen, den systematischen Aufbau einer zielführenden Ernährungsberatung, Messmethoden, um die Gesprächsführung und natürlich um die eigentliche Ernährungsplanung. Hier gibt es auch recht umfangreiches Bonusmaterial, damit du sehen kannst, wie Anamnese- und Beratungsgespräche in der Praxis aussehen können.

Relativ dürftig geht der Kurs auch auf verschiedene Ernährungsformen (z.B. Vegan und Paleo) ein und behandelt oberflächlich Ernährungsansätze bei den Erkrankungen Adipositas und Diabetes.

Wie man sich nun konkret beispielsweise bei Gicht, Divertikulitis oder anderen Erkrankungen ernähren sollte, überschreitet dabei die Grenzen des Kurses, denn das geht in den Bereich der medizinischen Ernährungsberatung. Dafür ist eine gesonderte spezialisierte Ausbildung nötig.

Zum Schluss runden noch ein paar praktische Infos zur Selbstständigkeit als Ernährungsberater und zur Lebensmitteletikettierung den Kurs ab.

Die Prüfung

Die Prüfung findet, wie der Rest des Kurses, komplett online statt und setzt sich aus Theorie- und Praxisteil zusammen, die beide am gleichen Tag stattfinden.

Theorieprüfung

Die Theorieprüfung findet in Form eines 30 minütigen Multiple-Choice-Tests statt. Es sind 30 Fragen, von denen mindestens 15 vollständig korrekt beantwortet werden müssen, um zu bestehen.

Meiner Meinung nach das perfekte Prüfungsformat für die Theorie, weil es in der Coachingpraxis einfach nicht so wichtig ist, eine Art wandelndes Lexikon zu sein. Es geht in der Praxis in erster Linie darum, einen Zugang zum Klienten zu finden und ihm dann dabei zu helfen, seine Probleme zu lösen. Daher geht es weniger um Theorie, sondern um angewandtes Wissen und Psychologie.

Konkret heißt das: Du musst nicht genau wissen, wozu Vitamin A gut ist. Viel wichtiger ist, dass du in der Lage bist, einen Ernährungsplan zu erstellen, der den Primärbedarf an Nährstoffen deckt, der zielführend ist und vor allem der für deinen Klienten auch umsetzbar ist.

Die Fähigkeit, theoretische Ideale so anzupassen, dass sie praxistauglich, zugleich aber auch noch effektiv und nachhaltig sind, ist das entscheidende Kriterium für einen guten Personal Trainer und Ernährungsberater.

Deshalb ist der Theorieteil auch nicht so wichtig und es macht Sinn, den im Multiple-Chocie-Verfahren anzubieten. Wichtiger ist aus meiner Sicht der Praxisteil der Prüfung, denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Praxisprüfung

Für die praktische Prüfung bekommt man knapp eine Woche vorher eine Lehrprobe zugesendet, die bearbeitet und in der Prüfung dann im Vieraugengespräch präsentiert werden soll.

Bei der Lehrprobe handelt es sich um ein realistisches Fallbeispiel. Du bekommst wesentliche Hintergrundinfos zu deinem hypothetischen Klienten (die du später im Beruf via Anamnese-Gespräch oder -Bogen selbst in Erfahrung bringen musst) und seinen typischen Ernährungsalltag mitgeteilt.

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Diesen sollst du gründlich analysieren, Probleme identifizieren und deine Interventionsschritte dokumentieren, inklusive von dir ausgearbeitetem Ernährungsplan. Das alles stellst du dann deinem Prüfer vor.

Das ist aus meiner Sicht auch der wesentliche Teil der Prüfung, der darüber entscheidet, ob du schon reif genug dafür bist, den Job als Ernährungsberater auszuführen.

Wichtig war mir an dieser Stelle auch, dass der Prüfer tatsächlich jemand aus der Praxis ist, also ein erfahrener Personaltrainer und nicht etwa ein Sportwissenschaftler, der zwar theoretisch viel weiß, praktisch aber unerfahren und unflexibel ist. Die Prüfung ging bei mir recht fix durch und dann haben wir beide noch ein wenig unsere Ansichten über Fitness und Ernährung ausgetauscht.

Daher kann ich festhalten, dass der Prüfer sehr kompetent und in der Lage ist, flexibel auf verschiedene Ansätze der Ernährungsintervention zu reagieren und diese zu bewerten.

Zertifizierung

Im Anschluss an die bestandene Prüfung bekommst du per Post die Lizenz zum Ernährungsberater, einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch.

Zur Ausübung der Tätigkeit ist diese nicht notwendig, aber sie ist ein nützlicher Vertrauensindikator. Denn insbesondere wenn du neu als Trainer anfängst und noch keinen Namen hast, ist es hilfreich, solche Zertifizierungen vorzeigen zu können, um eine Vertrauensbasis zu deinen künftigen Klienten aufbauen zu können.

Was ist kritisch zu betrachten?

Neben den Grenzen der Ausbildung (auf die ich weiter unten noch eingehe) ist für mich der einzige Kritikpunkt die Tatsache, dass es während des Fernlehrganges keine zugängliche Möglichkeit gab, Rückfragen zu stellen. Für mich persönlich war das nicht wichtig, aber wer weniger Erfahrung und gefestigtes Wissen hat, der hat in der Regel auch mal Fragen oder Verständnisprobleme, die mit einem Experten besprochen werden sollten.

Man kann sich dann per Mail an den Kundensupport wenden, die das an die Autoren des Lehrgangs weiterleiten und erhält dann über Umwege Hilfe, aber der Online Campus selbst bietet keine integrierte Möglichkeit, mit einen der Ausbilder in Kontakt zu treten, beispielsweise über ein Forum. Man ist mehr oder weniger auf sich allein gestellt.

Allerdings wird in der Ausbildung vor allem Grundlagenwissen vermittelt und in den meisten Fällen hilft eine kurze Google-Suche. So lernt man parallel auch direkt Eigenintiative zu zeigen, was für Trainer und Beratung grundsätzlich eine wesentliche Fähigkeit darstellt.

Auf welchem Niveau bewegt sich die Ernährungsberater-Ausbildung der Akademie für Sport und Gesundheit?

Die Ausbildung konzentriert sich inhaltlich ganz klar darauf, ein solides Fundament für den Beruf eines Ernährungsberaters zu legen. Deshalb erlernt und verfestigt man hier vor allem die Grundlagen, während Spezialisierungen und tiefergehendes Wissen, beispielsweise über spezielle Ernährungsformen, aber auch über das Zusammenspiel Training und Ernährung (Sportnahrung, Nahrungsergänzung etc.), allenfalls gestreift werden.

Was in der Ausbildung gelehrt wird, ist inhaltlich korrektes und brauchbares Basiswissen, das sich an den DGE Standards orientiert, aber recht allgemein gehalten ist. Im Einzelfall weicht man da als erfahrener Ernährungsberater auch mal deutlich ab, insbesondere was die Proteinzufuhr beim Abnehmen angeht. Da spiegeln beispielsweise die DGE Empfehlungen nicht den aktuellen Stand wider.

Grenzen der Ausbildung und Werdegang eines Ernährungsberaters

Die Ausbildung legt ein ordentliches Fundament. Wer aber ein guter Ernährungsberater werden möchte, der muss und wird darüber hinausgehen, sich selbstständig intensiv weiterbilden und tiefer in die Materie einsteigen.

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Man kann sagen, die Ausbildung liefert das Basiswissen, das nötig ist, um danach allein weitermachen zu können.

Dieser Prozess ist übrigens nie wirklich abgeschlossen. Denn die wichtigste und wertvollste Eigenschaft eines guten Beraters und Trainers ist die unbändige Leidenschaft und natürliche Neugierde für seine Arbeit. Man ist nie zufrieden mit seiner Expertise, will sich immer weiterentwickeln und lernen.

Das ist der Grund, warum ich auch nach 10 Jahren noch verschiedenste Bücher und Studien lese, Seminare und Webinare zu speziellen Themen besuche und mich regelmäßig mit Kollegen austausche. Es ist meine Leidenschaft und die sollte vorgelebt werden.

Einzig, dass man sich nicht mehr mit Grundlagen beschäftigt, sondern zu sehr speziellen Themen gezielt weiterbildet, ändert sich mit zunehmender Expertise. Ich lese zum Beispiel kaum mehr für den Massenmarkt gedachte Bücher, weil alles, was sich beispielsweise in klassischen Body-Transformationsbüchern findet, weiß ich schon. Stattdessen sind es dann Bücher, die sich um das Mikrobiom drehen, um Biomechanik, Neuroathletik oder Psychologie, dem wichtigsten Fortbildungsgebiet für Trainer.

Wenn du also die Ausbildung zum Ernährungsberater der Akademie für Sport und Gesundheit abgeschlossen hast, bist du noch lange kein guter Ernährungsberater. Du hast dann aber das Fundament, um ein guter Ernährungsberater zu werden.

Die Ausbildung liefert dir Potential, das zu nutzen deine Aufgabe ist. Das kann dir nämlich kein Lehrgang abnehmen, denn letztlich bringt es der Job mit sich, dass du Eigeninitiative ergreifen und Verantwortung übernehmen musst.

Man kann folglich nicht bis zum Ende geführt werden, sondern muss selbst die Führung übernehmen und voranschreiten. Irgendwann kommt schlicht der Punkt, an dem man sich durch Lehrbücher allein nur noch sehr begrenzt weiterentwickeln kann. Der Punkt, an dem theoretisches Wissen angewendet werden muss, um praktische Erfahrungen zu sammeln.

Das ist es übrigens im Grunde auch, wofür dich deine Klienten bezahlen – für deine Erfahrungen, nicht für das Wissen, das es auch gratis auf Google gibt.

Du musst dir immer vor Augen halten, dass die meisten Klienten sich schon selbst weitergebildet haben. Sie wissen oft schon viel, in der Regel sogar zu viel. Was ihnen fehlt ist die Erfahrung. Sie wissen daher nicht, was wirklich funktioniert und was wie umgesetzt werden und was weggelassen werden sollte. Denn dazu gibt es im Internet und in Büchern ganz verschiedene und gegensätzliche Meinungen, die für die Masse gedacht und daher für niemanden optimiert sind. Ohne Erfahrungen kann man nicht einschätzen, was für sich selbst das Richtige und Passende ist.

Diese Erfahrungen zu sammeln, um mit den Mythen und Halbwahrheiten aufzuräumen und schließlich einen individuellen Ernährungsplan aufzustellen, der deine Klienten auch wirklich an ihr Ziel bringt, wird deine Aufgabe als künftiger Ernährungsberater sein.

Wenn du die natürliche Begeisterung für das Thema und den Drang zur Weiterentwicklung in dir trägst, dann kann ich dir die Fernausbildung zum Ernährungsberater der Akademie für Sport und Gesundheit ans Herz legen. Ein nachhaltiger Einstieg.