In diesem Artikel erfährst du:

  • Fett und träge - Warum durch Surfen Mindset und Figur ruiniert werden
  • Schonungslos offengelegt - Diese Untersuchungen zeigen, warum fast jeder seinen Internetkonsum überprüfen sollte
  • Erfahrungsbericht offline leben - Wie plötzlich mehr Zeit, mehr Energie und mehr Begeisterung zur Verfügung stehen
  • Sofortmaßnahmen - Wie die Informationsflut kontrolliert, das Internet effizienter benutzt und der Ballast abgeworfen wird

Gute 9 Monate ist es nun her, dass ich meine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken eingestellt und meine Zeit im World Wide Web auf das absolut Nötigste beschränkt habe. Einmal die Woche las und beantwortete ich Mails, in seltenen Fällen kam Google zum Einsatz, wenn ich wichtige Informationen brauchte. Ansonsten war ich raus. Offline. Das sind meine Erfahrungen und die Lektionen, die ich daraus gelernt habe.

Komm' klar - Warum surfen fett und faul macht

Interessant war für mich eigentlich nur eine Frage:: Wie verändert sich das Leben, wenn man seinen Internetkonsum konsequent einschränkt?

Natürlich ging es nicht darum, dauerhaft ganz ohne Internet zu leben. Wer würde schon darauf verzichten wollen und können? Aber ich wollte sehen, welche Probleme das Internet möglicherweise bereiten mag und wie sie zu lösen sind.

Dabei habe ich festgestellt, dass es eigentlich "nur" ein wesentliches Problem gibt: Übermäßiger passiver Internetkonsum, auch "surfen" genannt.

Dadurch werden allerdings eine ganze Reihe an Symptomen verursacht, die viele von uns betreffen.

#1: Surfen prägt einen reaktiven Mindset

Bewegst du dich ziel- und planlos im Internet, wird dein Gehirn darauf trainiert, auf äußere Reize zu reagieren.

Im Internet wirst du nämlich damit bombardiert. Bei Facebook, YouTube, auf Newsseiten - überall wirst du mit Content überflutet und dazu animiert, zu klicken, zu lesen, zu schauen.

Dafür sind wir besonders anfällig, weil so unser "Default-Mindet" funktioniert. Das ist der Zustand unseres Gehirns, wenn gerade "nichts ansteht". Wir befinden uns dann im Reaktionsmodus, bereit auf äußere Reize zu reagieren.

An sich ist das also ganz natürlich. Wir bekommen allerdings Probleme, wenn wir allzu oft und lange in diesem Zustand verweilen.

Denn genau wie bei der körperlichen Fitness sind wir letztlich ein Spiegel unserer Gewohnheiten. Was wir oft tun, können wir gut. Was wir selten tun, können wir immer schlechter.

Je häufiger und länger wir also im reaktiven Default-Mindset sind, desto schlechter werden wir darin, uns zu konzentrieren. Und wir verlieren nicht nur die Fähigkeit, zielgerichtet und konzentriert zu agieren, sondern auch die Motivation dazu!

Motivation ist nämlich nicht nur die Ursache, sondern auch das Nebenprodukt unseres Handelns. Motivation entsteht und wächst durch Agieren.

Wir surfen immer mehr...

Dieses Problem betrifft die allermeisten Internetnutzer.

Der Analyst Ben Bajarin berichtete schon 2016 von einer von Apple veröffentlichten Statistik (es ging damals im die Vorzüge des Fingerabdrucksensors zum schnelleren Entsperren der Geräte), der zufolge Smartphones täglich im Durchschnitt 80 mal entsperrt werden. ​[1]​

Ziehen wir 8 Stunden Schlaf vom Tag ab, heißt das, wir greifen im Schnitt alle 12 Minuten zum Handy!

Es ist zudem davon auszugehen, dass die durchschnittliche Anzahl der täglichen Entsperrungen seitdem noch weiter angestiegen ist.

Wer so oft zum Handy greift, tut dies natürlich kaum zielgerichtet, sondern will meist einfach nur "checken, ob es was Neues gibt" - und prägt damit den reaktiven Mindset.

Ist das nicht mittlerweile schon die Norm in der Gesellschaft? Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird kürzer, die Zielstrebigkeit lässt nach. Einer Studie der University of Scranton zufolge halten sich gerade mal 77% der Menschen länger als eine Woche an ihre Neujahrsvorsätze. Nach 2 Jahren waren es nur noch 19%. ​[2]​

Als Fitnesstrainer habe ich das schon vor vielen Jahren erkannt und meinen Schwerpunkt von "Welche Methoden bringen die bestmöglichen Resultate" zu "Wie bringe ich meine Klienten dazu, dauerhaft konsequent dranzubleiben" geändert. Das ist heutzutage nämlich die eigentliche Herausforderung. Die Komfortzone verlassen und konsequent (ohne sich ablenken zu lassen) agieren.

Die Untersuchung der Daten von 32 Fitnessstudios ergab, dass 12,5 % der Mitglieder nur 1x im Monat und 32,5% gar nicht trainieren. Soll heißen: 45% der Mitgliedschaften sind reine Geldverschwendung. ​[3]​

Das Hauptproblem ist die innere Einstellung.

Erfolge müssen beispielsweise möglichst über Nacht eintreten, ansonsten beginnt schon nach 1-2 Wochen die Suche nach einem besseren Programm, das schnellere Erfolge verspricht. "Programm-Hopping" nennen wir dieses Phänomen.

Wer Erfolg haben will, braucht jedoch den richtigen Fitness-Mindset.

In der Realität

... erfordert nämlich alles, das sich anzustreben lohnt, Beharrlichkeit, Fokus und Geduld. Das zumindest hat sich meiner Erfahrung nach immer wieder bewahrheitet - nichts Wertvolles entsteht über Nacht.

Deshalb ist es wichtig, diese Fähigkeit, sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, maximal präsent zu sein, zu trainieren und weiterzuentwickeln.

Ich selbst habe in den letzten Monaten noch konsequenter daran gearbeitet und kann dir sagen, es verändert ALLES. Dein Training wird effektiver, deine Ernährung wird zwanglos gesünder, die Beziehungen zu deinen Mitmenschen werden besser, du wirst leistungsfähiger in allen Lebenslagen - im Beruf wie auch privat - und vor allem wirst du glücklicher, weil dich der Ballast aus Vergangenheit und Zukunft nicht mehr zurückhält.

Ein wahrhaft befreiendes Gefühl.

Fokus ist der Schlüssel und das gilt auch und vor allem für die Zeit, die man im Internet verbringt. Passiver Konsum sorgt für einen sprunghaften Geist und ein Leben ohne Richtung und Vision.

#2: Surfen überflutet den Kopf mit Informationen

Eines bietet das Internet im Überfluss: Informationen. Sobald du online gehst, fließen sie ungefiltert und aus allen Richtungen.

Hast du schon mal bemerkt wie viel Text auf einer Facebook-Seite steht? Wenn du ganz normal deine Timeline anschaust - hier eine Werbung, dort ein Artikel, da ein Bild. Überall Informationen und Möglichkeiten zur Interaktion.

Das wiederum hat gleich mehrere Konsequenzen:

  1. Du verrennst dich in Kleinigkeiten. Das passiert immer dann, wenn du den Fokus verlierst und Informationen ungefiltert an dich heran lässt. Es fällt zunehmend schwieriger zu erkennen, was wirklich zählt und was nur überflüssiger Ballast ist.
  2. Du schiebst Dinge auf. Ehrlich, es ist im Internet so einfach, sich ablenken zu lassen. Manchmal kommt das sehr gelegen, wenn man etwas tun sollte, auf das man eigentlich keine Lust hast. Wir haben dafür sogar ein Wort: Prokrastination. Das Problem ist, du kommst nicht voran und der ganze Scheiss, den du vor dir herschiebst, der belastet dich, summiert sich und klebt dir irgendwann doch an den Händen. Lieber gleich anpacken...
  3. Du lebst unreflektiert. Surfen hilft vor allem dabei, beschäftigt zu sein. Beschäftigt, nicht produktiv. Je beschäftigter du bist, desto weniger Zeit hast du, dich um dich selbst zu kümmern und zu reflektieren. Was dann passiert, ist millionenfach erprobt: Trägheit, destruktive Gewohnheiten und mit der Zeit Frustration entstehen und breiten sich aus wie ein verdammtes Buschfeuer in Kalifornien.
  4. Du wirst dümmer. Das ist mein voller Ernst. Ich habe es an mir selbst gespürt. Je mehr wir unsere Birne zumüllen, desto dümmer werden wir. Intelligenz erfordert einen klaren und fokussierten Geist, der jedoch durch überflüssigen Ballast blockiert wird.
Lesenswert
Hochfrequenztraining: 6 Wochen Challenge

#3: Surfen macht träge

Das ist schnell erklärt: Es ist wunderbar angenehm und einfach, sich im Internet "treiben" zu lassen. Verdammt bequem und es wird uns auch immer einfacher gemacht, den Kopf dabei auszuschalten.

Genau genommen ist das sogar gewollt, denn wenn wir mal ehrlich sind, dreht sich das Internet zu 99% darum, irgendetwas zu verkaufen. Da adressiert man am besten unsere emotionale Seite anstelle des rationalen Denkens.

Wenn jedoch Bequemlichkeit zur Gewohnheit wird und sich ausbreitet, und das ist heute mehr Regel denn Ausnahme, dann wird das Leben zur Qual, weil Disziplin verloren geht und irgendwann selbst Kleinigkeiten außerhalb der Komfortzone liegen.

Die fundamentale Erkenntnis:

Je einfacher du dir das Leben machst, desto komplizierter und anstrengender wird's.

Deshalb sind faule Menschen auch tendenziell gereizter, weil sie häufig vom Leben überfordert sind.

#4: Surfen schadet den Augen

Eine größere Untersuchung des amerikanischen Vision Council ergab 2016, dass etwa 80 % der Amerikaner mehr als 2 Stunden täglich auf Bildschirme schauen. Davon berichteten immerhin 59 % über typische Symptome von digitalem Augenstress. ​[4]​

Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen
  • verschwommene Sicht
  • Schwindel
  • Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen
  • gereizte, rote, trockene Augen

Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass Bildschirme bei übermäßiger Nutzung der Augengesundheit schaden können. ​[5]​

Allerdings sind die genauen Ursachen dafür noch nicht vollends entschlüsselt.

Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der erhöhte Anteil blauen Lichts in moderner Bildschirmtechnologie (auf LEDs basierend) möglicherweise der Augengesundheit schaden kann. ​[6]​

Gut belegt und anerkannt ist zudem der Zusammenhang zwischen intensivem Bildschirmkonsum und einer reduzierten Lidschlagfrequenz.

Diese kann bei konzentrierter Computerarbeit von durchschnittlich 20-40 Schlägen pro Minute auf unter 5 Schlägen in der Minute abfallen. Dadurch werden die Augen trockener, die Außentemperatur des Auges steigt leicht, wodurch wiederum der Wasseranteil der Tränenflüssigkeit stärker verdunstet, der Tränenfilm verdickt, Sauerstoffversorgung und aerober Stoffwechsel der Hornhaut beeinträchtigt und somit freie Nervenenden in der Hornhaut gereizt werden können - auch bekannt als Juckreiz. Eine Ausgleichsversorgung durch gesteigerte Durchblutung führt dann oftmals zur bekannten Rötung der Augen. ​[7]​

Im Endeffekt bestätigt sich damit, was intuitiv längst klar war: Nämlich dass zu viel Zeit vor dem Bildschirm den Augen schaden kann.

Meine Erfahrungen

Erfahrung #1: Soziale Ausgrenzung? Im Gegenteil!

Die erste Feststellung - man kann glücklich leben, ohne in sozialen Netzwerken unterwegs zu sein, ständig zu kommunizieren und über alles auf dem Laufenden zu sein!

Ich hatte während all der Zeit keineswegs das Gefühl, dass mein Sozialleben darunter leiden musste. Ganz im Gegenteil, ich hatte mehr Zeit und war häufiger mit Freunden unterwegs.

So konnte ich sogar feststellen, dass sich die Beziehungen zu einigen Menschen vertieft hat, gerade weil keine Kommunikation mehr über Whatsapp oder Facebook, sondern nur noch per Telefon im realen Leben stattfand. Im Messenger verhalten und kommunizieren die Menschen anders als im realen Leben. Kürzer, kompakter, weniger tiefgreifend, weniger persönlich. So jedenfalls meine Erfahrung.

Erfahrung #2: Mehr Zeit. VIEL mehr Zeit.

Einmal mehr wurde mir bewusst, wie viel Zeit man eigentlich verschwenden kann, ohne es zu merken. Wenn man "online" ist, gleitet sie förmlich aus den Händen.

Plötzlich hatte ich weit mehr Zeit als gewohnt und konnte sie nach Belieben reinvestieren. Lesen, trainieren, meditieren, arbeiten, ausgehen - man hat für ALLES mehr Zeit, wenn man weniger surft. Das Wochenende fühlt sich plötzlich deutlich länger an.

Statt Zeit vor Bildschirmen totzuschlagen, kann man sich Städte anschauen, Sehenswürdigkeit und vor allem die lokale Umgebung erkunden. Unglaublich, wie wenig ich eigentlich von meiner näheren Heimat wusste. Den Großteil kannte ich nur vom Namen und von der Durchfahrt.

Neue Orte aufzusuchen hilft übrigens dabei, ein Leben außerhalb der eigenen Komfortzone zu führen, weil all unsere Routinen verortet sind. Soll heißen: Deine Gewohnheiten, insbesondere die destruktiver Natur, sind im Gehirn mit deiner alltäglichen Umgebung verknüpft.

Wechselst du den Ort, kannst du destruktive Gewohnheiten einfacher überwinden. Eine gute Möglichkeit, um Momentum aufzubauen.

Erfahrung #3: Entspannter, ausgeglichener, MEHR ENERGIE!

Ich habe in dieser Zeit mehr trainiert als je zuvor und war dennoch deutlich entspannter und ausgeglichener. Zwar gab es zwischendurch auch stressige Zeiten, aber sie schienen weniger Einfluss zu haben und schneller vorüberzugehen, weil Stress augenscheinlich OFFLINE besser abgebaut werden kann.

Du kannst Atemübungen, Meditationen, Yoga und Co. machen - alles gute Methoden, um Stress abzubauen. Funktioniert aber meiner Erfahrung nach noch lange nicht so gut wie sich abends in der Dämmerung für eine halbe Stunde unter eine alte Eiche zu setzen und dem Wind zu lauschen.

Ich mache das mittlerweile jeden Abend nach dem Training, ganz einfach weil es wirklich funktioniert! Ich spreche von deutlich spürbarer Entspannung und einem merklich erholsameren Schlaf.

Lesenswert
Fitness-Mindset: Agieren statt reagieren!

Vielleicht klingt es für dich ein bisschen skurril, weil es unnormal ist. Unnormal heißt aber nicht unnatürlich. Die meisten Leute sitzen abends vor dem Fernseher. DAS ist normal. Verrückt, oder?

Also muss man sich doch ernsthaft mal fragen: Wer will heute schon noch normal sein?

Normal zu sein heißt übergewichtig zu sein, mit Rückenproblemen, Diabetes oder anderen Wohlstandskrankheiten zu kämpfen, die meiste Zeit des Tages zu sitzen, vor dem Fernseher einzupennen, Schlafstörungen zu haben, übermäßig sensibel zu sein, keinen Klimmzug zu können, mit einem Seil Billard spielen zu müssen...

Etwas übertrieben formuliert, aber es trifft den Kern. Vielleicht wird es Zeit für neue Normen. Abends eine halbe Stunde draußen zu sitzen und NICHTS zu tun hat sich für mich als der perfekte Übergang von der Aktivität (dem Training davor) zur Regeneration herausgestellt.

Ich bin mittlerweile sogar davon überzeugt, dass ein solcher Übergang oder Trigger notwendig ist, um richtig entspannen und vollständig regenerieren zu können.

Nun bin ich nicht unbedingt ein geborener Naturbursche, aber die Zeit beim Surfen zu beschränken bedeutet ein Stück weit zwangsläufig auch "back to the roots". Und das macht, so haben meine Erfahrungen in den letzten Monaten gezeigt, das Leben deutlich unkomplizierter und verleiht spürbar mehr Energie - unserer wichtigsten Ressource.

Es ist nicht das Geld und noch nicht mal die Zeit (denn Zeitprobleme stellen sich bei genauem Hinsehen immer als Mangel an Energie heraus), die uns daran hindern, unsere Träume zu verwirklichen. Es mangelt an Energie.

Falls du dich gefragt hast, warum dieser Artikel auf einer Fitness-Seite erscheint, hast du nun die Antwort:

Surfen raubt viel Energie, was wiederum den Lebenswandel hin zu smartem Fitnesstraining und einem athletischen Lifestyle blockiert.

Der athletische Weg - Minimalistisch, fokussiert, effizient

Natürlich geht's nicht ganz ohne Internet, aber das war ja nicht das Ziel. Stell dir deine Energie wie Wasser vor, das durch einen Schlauch fließt, und das Internet wie einen großflächigen Sprenger.

Bisher "bewässerte" meine Energie (und die Chancen stehen gut, dass es bei dir nicht anders ist) neben den Nutzpflanzen (in dieser Metapher jene Dinge, die mir wirklich wichtig sind) auch eine ganze Menge an Unkraut (Zerstreuungen und Ballast).

Das Ziel besteht nun schlicht darin, das Wasser verstärkt auf die Nutzpflanzen zu lenken, deine Energie also deutlich fokussierter in jene Dinge zu investieren, die dir persönlich am Herzen liegen, die dich weiter bringen und dein Leben bereichen.

Für mich selbst habe ich daher vor gut einem Monat drei einfache Regeln aufgestellt, die bisher ihren Zweck vollkommen erfüllen:

§1: Feste Zeitrahmen für "freie" Internetnutzung festlegen

Freie Internetnutzung teilt sich bei mir nun wie folgt auf:

  • 30 Minuten für das Beantworten von Business-Mails - unmittelbar vor der Mittagspause
  • Weitere 30 Minuten für Surfen (Sportnews, Nachrichten, soziale Netzwerke etc.) - am späten Nachmittag VOR meinem Workout (danach ist nämlich Entspannung angesagt; Bildschirme bleiben dann besser aus)

Es ist übrigens sehr wichtig, dieses Zeitfenster nicht auf den Morgen zu legen. Viele starten so in den Tag, dass sie als erstes auf ihr Handy schauen, Nachrichten beantworten, surfen, fernsehen. Ja, das ist bequem, aber so kriegt man nun mal nichts auf die Kette.

Wie du den Morgen verbringst, prägt deinen Mindset für den ganzen Tag.

Wenn du dich treiben lässt und den Tag schon damit beginnst, auf alles Mögliche nur zu reagieren, wirst du kaum die Lust, Energie und nötige Konzentration aufbringen können, um produktiv zu sein, deinen Zielen näher zu kommen und dich um die Dinge zu kümmern, auf die es wirklich ankommt.

Schlussfolgerung: Morgens ist die Zeit des Agierens, nicht des Reagierens. "Internetkonsum" sollte am besten zu anderen Tageszeiten und in einem klar definierten Zeitrahmen stattfinden, sonst Artet die Sache nämlich schnell aus und man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist.

§2: Ablenkungen beseitigen

Morgens und tagsüber wird mein Handy nicht entsperrt. Kein WhatsApp, keine Mails. Sämtliche Notifications sind ohnehin deaktiviert, was ich jedem nur empfehlen kann.

Wer aus meinem Umfeld mich dringend sprechen will, kann mich anrufen. Ansonsten lasse ich keine Ablenkungen zu. Wenn ich in dieser Zeit online gehe, dann nur mit meiner "Mission". Um produktiv zu sein, nicht um zu sehen, was ansteht.

Soll heißen: Ich benutze das Internet - und nicht andersherum.

Lass' dich nicht vom Internet benutzen! Gebrauche es, um deinen Weg zu gehen. Du musst die Regeln vorgeben. Das Internet soll sich dir fügen, niemals umgekehrt.

Um das zu schaffen, musst du radikal und konsequent gegen Ablenkungen vorgehen. Es gibt keinen anderen Weg, um die Kontrolle wiederzugewinnen.

§3: Den Informationsfluss steuern

Nicht nur Ablenkungen, sondern auch die schiere Menge an Informationen sind ein Problem. Hier gilt es unbedingt Grenzen zu setzen und sich selbst zu organisieren.

Informationen begrenzen

Der Müll kommt von selbst, wenn wir ihn nicht aktiv daran hindern. Man nennt das Entropie, gemäß der es schlicht EXTREM VIEL wahrscheinlicher ist, dass das Maß an Unordnung zu- statt abnimmt.

Deshalb zerbröseln unsere Gebäude mit der Zeit, deshalb repariert sich ein kaputter Laptop nicht von selbst. Und deshalb wirst du immer wieder feststellen, dass sich Ballast in deinem Leben sammelt, wenn du ihn nicht regelmäßig entsorgst.

§1 und §2 sind ein ausgezeichneter Anfang, um den Informationsfluss zu begrenzen. Weitere sinnvolle Maßnahmen:

  • Nachrichtenseiten beschränken.
    Früher hatte ich mehrere Quellen, um bei gesellschaftlichen Themen auf dem Laufenden zu bleiben. Sinnvoll ist das nicht. Die meisten Nachrichten sind negativ, was zu einem pessimistischen und schlicht falschen Weltbild führt.
    Hier braucht es unbedingt eine Informationsdiät.
    Eine Nachrichtenseite, eine Seite für Sportnews. 2x die Woche. Reicht einerseits vollkommen, um einen Überblick zu haben, und hält andererseits den Ballast minimal.
  • Soziale Netzwerke organisieren.
    Erstens habe ich "Neuigkeiten" von allen Leuten meiner Freundelisten abbestellt, die mich eigentlich nicht interessieren. Mich interessiert nicht, ob irgendein Durchschnittstyp, den ich 5 Jahre nicht mehr gesehen habe, in Thailand Cocktails trinkt und dazu ne flache Lebensweisheit postet. Nur über wirklich nahe Freunde, Familienmitglieder und inspirierende Vorbilder will ich auf dem Laufenden bleiben.
    Zweitens wurden sämtliche Seiten abbestellt, die sich nicht zu 100% mit meinen Interessen decken. Das betraf insbesondere Spaßseiten, die witzige Memes und dergleichen posten. Ich habe nichts gegen Unterhaltung, sie sollte aber aus meiner Sicht auch Hand in Hand mit Mehrwert gehen, sonst verblödet man mit der Zeit.
  • Ballastseiten sperren.
    Der einfachste Weg, um gewohnten Websites aus dem Weg zu gehen und den Informationsballast zu reduzieren. Sonst ruft man sie nämlich aus reiner Gewohnheit doch immer wieder auf. Für Chrome gibt es beispielsweise die Erweiterung "SiteBlock", um dich auf Kurs zu halten.
Lesenswert
Mentale Power - Der richtige Mindset für effektive Workouts

Informationen organisieren

Nachdem der Input minimalisiert wurde, gilt es ihn anschließend zu organisieren.

Ganz im Ernst, in der heutigen Zeit ist Organisation die halbe Miete. Je schlampiger du hier bist, desto weniger kriegst du auf die Kette.

Weil du an vielen Fronten gebraucht und schlicht überfordert bist, wenn du nicht für Struktur sorgst.

Für mich waren vor allem zwei Schritte bedeutend:

  1. Emails filtern, wichtige Nachrichten thematisch sortieren und in entsprechenden Ordnern ablegen. Die meisten Mails im Postfach können im Prinzip direkt gelöscht werden. Die anderen aber gilt es möglichst auffindbar zu archivieren. Wer hier Strukturen schafft, erspart sich letztendlich viel Zeit und behält besser den Durchblick. Übrigens: Wenn ich nicht weiß, ob eine Mail nochmal gebraucht werden könnte oder nicht, gilt für mich das altbewährte Prinzip 'Im Zweifel dagegen'. Meist planen wir nämlich 1:1000000 Situationen ein, die dann natürlich doch nicht eintreten. Soll heißen, der Großteil dessen, von dem wir glauben, dass wir es nochmal gebrauchen könnten, wird letztlich doch nicht mehr gebraucht. Gilt für Mails ebenso für Besitz. Zudem ist der "Schaden", der Eintritt, wenn wir etwas weggeworfen oder gelöscht haben, das wir doch nochmal gebraucht hätten, meist viel kleiner als wir uns vorher ausmalen.
  2. Notizen anfertigen. Ob nützliches Wissen, eigene Ideen und Gedankengängen, Brainstormings und Daten - wenn es wichtig ist, sollte es außerhalb unseres Kopfes und vor allem in eigenen, zusammenfassenden Worten festgehalten werden. Denn ansonsten geraten locker 90% davon in Vergessenheit (ebbinghaussche Kurve, siehe Bild unten).
    Ich persönlich nutze Onenote von Microsoft; ist kostenlos auf allen Geräten verfügbar und unterstützt vor allem sehr gut handschriftliche Notizen (viel besser als beispielsweise bei Evernote). Besonders nützlich ist auch der Webclipper, mit dem Videos und Text aus dem Internet ausgeschnitten werden können.
ForgettingCurve.svg
Originally from en.wikipedia; description page is/was here., Gemeinfrei, Link

Am Anfang steht die Einsicht...

Du hast in diesem Artikel erfahren, wo genau die Probleme des modernen Internetkonsums liegen, warum sie fast jeden von uns betreffen und wie man damit umgehen kann. All das allerdings, neben einigen wissenschaftlichen Untersuchungen, vor allem aus der Perspektive meiner Erfahrungen.

Das ist hoffentlich nützlich und inspirierend für dich. Allerdings erwachsen tiefgreifende, nachhaltige Veränderungen nur aus EIGENEN Erkenntnissen.

Das heißt, du solltest dich selbst hinterfragen und dir genau überlegen, ob und inwiefern DEINE Internetnutzung problematisch für dich und dein Leben sein könnte.

Nimm dir dafür ruhig Zeit, denn die braucht es, um ehrlich zu sein und sein alltägliches Leben, das allzu oft unreflektiert und im Autopilotenmodus stattfindet, objektiv zu betrachten.

Viele laufen mit Maske durchs Leben, blenden sich selbst und andere, weil sie sich nicht die Zeit dafür nehmen, kritisch zu hinterfragen.

Denn das kann mitunter ziemlich unbequem sein. Da ist es einfacher, in der eigenen Komfortzone zu bleiben und sich zu sagen "Ist doch alles okay".

Doch der Preis dafür ist hoch und steigend. Man lebt an sich selbst vorbei und kriegt nicht mit, welche Schäden dabei angerichtet werden. Erst, wenn es schon zu spät ist.

Dann lieber frühzeitig aufwachen und unbequeme Fragen stellen: Wie viel Zeit verbringst du im Internet? Welcher Anteil davon ist wirklich produktiv? Welchen Preis bezahlst du im alltäglichen Leben für die Differenz? (Beispiele: Hast du Motivationsprobleme? Energieprobleme? Das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben?) WAS kannst du verändern und WARUM?

Ich habe all diese Fragen für mich beantwortet und sehr davon profitiert. Jetzt kommt es auf dich an. Nimm dir Zeit. Sei ehrlich.

  1. 1.
    Ben B. Apple’s Penchant for Consumer Security [Internet]. Tech.pinions. 2016 [cited 2019 Apr 26]. Available from: https://techpinions.com/apples-penchant-for-consumer-security/45122
  2. 2.
    Norcross J, Vangarelli D. The resolution solution: longitudinal examination of New Year’s change attempts. J Subst Abuse [Internet]. 1988 Jan 1;1(2):127–34. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2980864
  3. 3.
    Haack M. So viel Geld verschwenden Deutsche in Fitnessstudios [Internet]. Welt.de. 2016 [cited 2019 Jun 26]. Available from: https://www.welt.de/sport/fitness/article156168148/So-viel-Geld-verschwenden-Deutsche-in-Fitnessstudios.html
  4. 4.
    Digital Eye Strain | The Vision Council [Internet]. The Vision Council. [cited 2019 May 20]. Available from: https://www.thevisioncouncil.org/content/digital-eye-strain
  5. 5.
    Bogdănici C, Săndulache D, Nechita C. Eyesight quality and Computer Vision Syndrome. Rom J Ophthalmol [Internet]. 2017 Apr 1;61(2):112–6. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29450383
  6. 6.
    Sheppard A, Wolffsohn J. Digital eye strain: prevalence, measurement and amelioration. BMJ Open Ophthalmol [Internet]. 2018 Apr 16;3(1):e000146. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29963645
  7. 7.
    Degle S. Arbeit und Sehen [Internet]. Eine interdisziplinäre Erklärung von Veränderungen des Sehens durch Bildschirmarbeit. 2006 [cited 2019 May 20]. Available from: https://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/144/file/SDegle_ArbeitundSehen.pdf

(Bildquellen: © EVERST / © Monkey Business / © SFIO CRACHO / © maximus19 / © Tom Kuest - fotolia.com)